Das Fleisch ist schwach - Teil 1

Tagebuch des Paladins Gehren Steinbrecher

35. Session
(03.07.2004)

Die Helden betreten das Tal

8. Mirtul 1369:


Kampf gegen halbe Maschinen


Da standen wir jetzt, vor uns der stählerne Minotaurus in dem noch eben so friedlich scheinenden Wald und der kleine Mensch, der mit furchtverzerrtem Gesicht vor eben dieser Kreatur davonlief. Doch damit nicht genug. Laute Geräusche von knirschendem Metall und Stampfen drangen in unsere Ohren und sieben Oger stapften nicht gerade freundlich gesonnen auf uns zu. Doch auch sie waren auf die
ekelerregendste Weise mit den Metallteilen verbunden, eine erschreckende Kombination von Fleisch und Stahl. Lebten diese Wesen oder waren es nur Konstrukte, die ohne eigenen Geist nur den wirren Befehlen ihres Erschaffers gehorchten?
Lange Zeit zum Nachdenken blieb uns allerdings nicht, denn mit einer immensen Geschwindigkeit stürmten diese auf uns zu. Doch Kemp kam den Wesen zum Glück noch zuvor und schleuderte eine grosse Feuerkugel mitten unter sie. Dieser Magier hat mittlerweile ziemlich viel Macht dazugewonnen, hoffentlich weiss er sie weise einzusetzen... wenn ich mir die verkohlten Baumleichen anschaue, kommen mir da so der eine oder andere Zweifel hoch.
So begann dann der Kampf zwischen uns und den Ogern, in dessen Verlauf ich fast mein Leben ausgehaucht hätte, das nächste Mal stürme ich nicht so unüberlegt vor. Doch die Suchenden gingen auch aus diesem Kampf als Sieger hervor und so schafften wir es, den kleinen Mann Namens Marew zu retten. Dieser war nur knapp eine Handbreit grösser als ich, hatte bronzefarbene Haut, war mit Hirschfellen bekleidet und äusserst dankbar für seine Rettung. Zuerst hatten wir allerdings sprachliche Verständigungsschwierigkeiten, die Aylitiriara aber durch einen kleinen Zauber zumindest zwischen Lairelosse und Marew beseitigen konnte.
Und so erfuhren wir, dass diese Wesen das Dorf Mulch überrannt, niedergebrannt und ungefähr drei
Dutzend Jäger verschleppt hatten. Wahrscheinlich kamen die Wesen vom Berg Smolderak, dem grössten der Vulkane hier in der Gegend. Marew bat uns im Verlaufe des Gesprächs, mit zu einer Höhle zu kommen, in der er uns der Stammesältesten vorstellen wollte, die uns nähere Informationen geben könnte und so brachen wir auf, mussten aber schon nach kurzer Zeit unser Lager aufschlagen, da die Nacht hereinbrach.

9. Mirtul 1369:


Die Bewohner von Mulch


Die Nacht verlief ruhig und genauso ruhig lag nach weiteren zwei Stunden Fussmarsch das Dorf Mulch zu unserer Seite, da es fast komplett aus verkohlten Hüttenresten bestand und sich dort kein Lebewesen mehr aufhielt. Hier hatten die Fleischkonstrukte aber böse gewütet...
Nach einiger Zeit lichtete sich der Wald und ein schroffer Felsabhang erhob sich vor uns, in dem eine grosse Höhlenöffnung zu erkennen war. Als wir uns der Höhle näherten blieb Kemps Konstrukt wie angewurzelt stehen und bewegte sich nicht weiter. Nichtsdestotrotz folgten wir Marew weiter in die Höhle, in der mehrere andere von Marews Art sassen. Auffällig waren die vielen Tätowierungen, die diese an jeder sichtbaren Stelle ihres Körpers trugen. Auch die Stammesälteste, die in einer “nicht entzündeten Nebenhöhle“ auf einem grossen Haufen aus Fellen sass, war tätowiert und hatte im Gesicht mehrere Ringe en den unmöglichsten Stellen. Brrr, ein Bart wäre mir lieber gewesen...
Bevor wir mit ihr sprachen bekamen wir aber erst einmal etwas zu essen, das tat wirklich gut.

Die Stammesälteste, die auf den Namen Thayana hörte, trank kurz aus einem Eulenschädel und
erstaunlicherweise sprach sie anschliessend in unserer Sprache mit uns. Sie erzählte uns, dass vor zwölf Jahren ein Externer (zu diesen schienen wir auch zu zählen) mit Namen Kambranex hier lebte, der wohl ein Halbdämon gewesen sei. Dieser sei dann spurlos verschwunden und kam jetzt wieder und griff mit seinen Kreaturen das Dorf Mulch an. Die verschleppten Jäger, so wurde uns berichtet, hätten man schon wieder gesehen: als mutierte Konstruktwesen. Und auch ein in der Nähe lebender Ogerstamm sei Gerüchten zu Folge komplett in die Hände von Kambranex gefallen. Dieses Gerücht wussten wir dann zu bestätigen...
Die Höhle allerdings, so Thayana weiter, wäre vor den Übergriffen sicher, da die Wesen einfach nicht näher herankommen konnten, allerdings verringerte sich bei jedem neuen Angriff der Abstand, den sie zur Höhle halten mussten. Das wollte ich mir doch einmal näher ansehen, ich betrachtete die Wände und stellte eine mir unbekannte magnetische Eigenschaft fest. Zum Glück hatte ich mein Steinmetz-Werkzeug dabei und prompt meisselte ich sechs Gesteinsproben aus der Wand, die ich unter meinen Kameraden verteilte. Wie sich später herausstellen sollte, boten diese Brocken einen guten Schutz gegen diese Wesen.
Da wir hier nicht noch mehr Informationen ergattern konnten, brachen wir unverzüglich in Richtung des Vulkans Smolderak auf.

Die Jäger des Stammes und die gute Echse


Wir waren noch nicht allzu lange im Wald, da bemerkten wir vor uns mehrere Kreaturen...es waren einige der gesuchten Jäger, leider alle zu stählernen Fleischmaschinen mutiert, so dass wir mit Ihnen kurzen Prozeß machen mussten. Nur wenige Stunden später trafen wir erneut zwei Gruppen mit jeweils vier Ogern, die versuchten, zwei Echsen den Garaus zu machen. Jetzt bin ich als Zwerg von Natur aus kein besonders grosser Naturfreund und ein Waldläufer bin ich schon gar nicht, aber irgend etwas in mir stellte klar, dass diese Echsen unbedingt überleben müssten. Leider kamen wir für eine der beiden zu spät, sie verendete an den bösartigen Wunden der Oger. Dafür schaffte ich es, die andere Echse zu heilen, auch wenn mich meine Kameraden in diesem Augenblick ohne mit der Wimper zu zucken für unzurechnungsfähig erklärt hätten. Zum Glück hat man sie nicht gefragt und so versuchte ich mit der Echse in Kontakt zu treten. Nachdem ich aus dem Waldboden ein paar Pilze und Maden herausgeholt und der Echse zu fressen gegeben hatte, hatte ich ihr Zutrauen gewonnen. Und unter den ungläubigen Augen meiner Kameraden folgte sie mir als wir weitergingen. So hatte ich nach langer Zeit endlich mein Reittier gefunden, dass mit mir gegen das Böse antreten würde.
Was für ein Tag!

 10. Mirtul 1369:


Die fliegenden Späher


Nach der erneut ereignislosen Nacht ritten wir weiter, wir hatten uns alle von den gestrigen Kampfstrapazen gut erholt und auch meiner Echse, für die ich fieberhaft nach einem Namen suchte, ging es trotz abgeworfenem Schwanz wieder richtig gut. Vom ewigen grün eingelullt hörte plötzlich der Wald auf und vor uns führte ein steiler schroffer Berg ziemlich hoch hinauf. Kemp erhob sich in die Luft um sich ein wenig umzusehen. Leider hatten vier geflügelte Gestalten aber etwas gegen diesen Späher und griffen ihn an. Wieder waren es Wesen aus Fleich und Stahl, nur dieses Mal konnten sie fliegen...widerliche Kreaturen, was sie auch vorher gewesen sein mochten, in diesem Zustand war es nur rechtens, sie aus ihrem Mitleid erregenden Zustand zu erlösen. Das taten wir auch mit Erfolg und mit Stolz muss ich hier berichten, dass meine Echse auch eines der Viecher ins Jenseits beförderte. Aylitiriara hatte in diesem Kampf ein paar gesundheitliche Probleme, doch Lairelosse war es natürlich ein Vergnügen, Hand an die schwarze Frau zu legen und sie mit Lathanders heilenden Kräften zu versorgen.
Kemp berichtete von einer Höhle in etwa fünfzehn Meter Höhe, doch wie dorthin kommen? Da entstand wie aus dem Nichts eine scheinbar gläserne Brücke, die genau bis zur Höhle reichte. Fassungslos starrten wir darauf, die einen mehr, die anderen weniger, nur unsere Elfin aus dem Unterreich schien uns feixend zu mustern. Hatte sie dieses Ding etwa erschaffen? Wieder musste ich über die rasant wachsenden Fähigkeiten meiner Kameraden staunen.
Über die Brücke gelangten wir dann in die Höhle, in der wir fünf Zwergenskelette fanden. Meine armen Vettern, hier oben zu sterben ohne die Chance jemals wieder gute Höhlenluft schnuppern zu können...im Vergleich zu Trazakna war dieses hier schliesslich keine echte Höhle.
Neben einem Siegelring entdeckten wir noch einige andere Gegenstände, die wir an uns nahmen. Die in Frieden Ruhenden hätten dafür eh keine Verwendung mehr gehabt.
Bevor wir uns in der Höhle schlafen legten, flog Kemp noch einmal zur Spitze des Berges und entdeckte dort inmitten der gigantischen Lavamassen einen riesigen Turm aus schwarzem Basalt, der über dreihundert Fuss in den Himmel ragte. Lange guckte Kemp aber nicht, da es dort doch sehr heiss war. Sollte dies der Turm von Kambranex sein?

11. Mirtul 1369:


Über den Wolken...


Heute führte uns Kemp sein nächstes beeindruckendes Zauberkunststückchen vor, nach einigem Gemurmel und Hände-hin-und-her-Gewedel konnten wir plötzlich alle fliegen. Ein unbeschreibliches Gefühl und so flogen wir alle in Richtung Turm. Die Hitze war unbeschreiblich und kaum auszuhalten und so flogen wir auf eine kleine Öffnung am Kraterrand zu, von der ein Gang aus nach innen führte.


Die Magmin


Doch was kam uns denn hier entgegen? Drei Gestalten wie aus Stein kamen uns entgegen, sie waren klein und ihr Körper sah aus wie zähflüssige Lava und hier und da traten ihnen Flammen aus dem Körper. Sie schienen uns aber nicht böse gesonnen zu sein und so zogen wir unsere Hände langsam wieder von den Waffengriffen zurück.
Die Verständigung mit ihnen klappte nicht besonders gut, aber immerhin erfuhren wir, dass wir zu König Montomo kommen sollten. Zwar wussten wir weder, wer das war, noch was er von uns wollte, doch trotzdem folgten wir dem Wesen durch eine Höhle mit vielen Lavaseen, in denen andere Magmins (So hiessen die Steinwesen) badeten. Naja, mir viel sofort das Sprichwort mit dem “Zu heiss gebadet“ ein, ich verkniff mir aber meinen Zwergenhumor, der hatte hier wirklich nichts verloren.
König Montomo sprach mit uns und erklärte, wir könnten zu Kambranex, wenn wir Pyron Dutzendschädel töten würden, dieser würde hier gleich nebenan wohnen. Mir schwante nichts Gutes und wieder einmal sollte mich mein Gefühl nicht getäuscht haben. In der Höhle, die jetzt vor uns lag, war aufgrund von dichten Wasserdampschwaden fast nichts zu sehen. Morlan ging ein Stück voraus und plötzlich fuhr ein dickes Rohr aus der Decke und blies noch mehr kochend heissen Dampf in die Höhle. Dass diesem Morlan nicht das Fleisch von den Knochen kochte war wirklich erstaunlich.

Pyron Dutzendschädel


Doch viel Zeit zum Wundern blieb nicht, denn ein wütendes mehrstimmiges Grollen kam in unsere Richtung und eine von Igor geworfene Bohnen entfachte einen starken Wind, der im Nu den Wasserdampf aus der Höhle trieb und den Blick auf ein riesiges zwölfköpfiges Ungetüm freigab, dass uns aus seinen 24 Augen feindselig anstarrte. Ein von Kemp herbeigerufener Löwe unterstützte uns im Kampf und TYR sei Dank, diesmal hatten wir wirklich Glück gehabt. Wir trafen dass Untier so heftig und präzise, dass es vor seinem schnellen Tod nur ein einziges Mal dazu kam, seine Köpfe Feuer speien zu lassen. Hätte wir ihm dazu mehr Gelegenheiten gegeben, hätten wir wohl alle ausgesehen, als wenn wir eine Stunde mit den Magmins baden gegangen wären.
Doch auch hier blieben wir siegreich.

Wohl an denn, nun war es also an der Zeit, Kambranex einen Besuch abzustatten und seinem unheiligen Treiben ein für alle Mal ein Ende zu setzen....

 

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